Sonntag, 31. August 2014

Der Tag an dem ich mein Frühstück vergaß - oder - Ich habe versagt


Es hat keinen Tag gegeben, an dem ich nicht an meinen Blog gedacht habe. Aber ich hatte irgendwie keine Zeit - nie. Oder besser: Ich habe mir eingeredet ich habe keine Zeit - für nichts.

So im Nachhinein kann man das - wenn man es nett ausdrücken will - als eine Art Selbstversuch ansehen.


Weihnachten war noch gut überstanden, der neue Job hat angefangen,... Alles Neu irgendwie. Alles Gut irgendwie.

Zuhause war es überhaupt kein Problem. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, Irgendetwas mit Kohlenhydrate zu kaufen. Frühstück, Mittagessen, Abendessen - alles nach LCHF.

Da ich schon früh anfing zu Arbeiten, nahm ich mir mein Frühstück mit. Ich aß an meinem Schreibtisch, während meine Kollegen in die Kantine gingen.

Und dann kam der Tag, der alles zerstörte... Der Tag, der mich noch lange verfolgen wird...

Der Tag, an dem ich mein Frühstück vergaß.


Klingt sehr dramatisch, ist es zum Teil auch. Im Nachhinein glaube ich, dass es genausogut ein anderer Tag sein hätte können, eine Spirale hat mich einfach nach unten gezogen. Irgendwann - an irgendeinem anderen Tag - wäre es vermutlich dennoch so gekommen.

Ich war verzweifelt. Ich hatte kein Frühstück mit, würde aber bald hungrig werden, und in der Kantine gab es NUR KOHLEHYDRATE. Jedes einzige Regal, jeder winzige Winkel voll mit dem Monster.

Hilft nichts, essen muss man ja. Also ging ich mit in die Kantine - mit zu dem Monster. Aber anstatt den Belag aus der Semmel zu nehmen, biss ich rein. Kaute voller Angst, Böshaftigkeit, Trotz, Scham und Versagen darauf rum. Ich habe mich nicht gefreut, endlich eine Ausrede zu haben, wieder KH zu essen. Im Gegenteil! Ich wusste, was KH mit mir anstellen können und wie viel besser es mir jetzt ging. "Ja, hier gibt es nicht anderes! Aber du bist selbst schuld! Hättest du dein Frühstück nicht vergessen, müsstest du das hier jetzt nicht essen. Selbst Schuld. Also isst du das jetzt! So wie es ist!"

Ich habe mich selbst bestraft.

Wie viel einfacher es jedoch war, einfach etwas aus dem Regal zu nehmen, als schon Tage vorher das Frühstück planen, einkaufen, zubereiten, mitzunehmen und dann alleine auf dem Platz zu essen... Und die Spirale fing an sich zu drehen.

Ich habe langsam wieder immer mehr Kohlenhydrate gegessen. Zuerst nur 1-2x pro Woche, später immer zum Frühstück. Es schien mir einfach nicht mehr machbar, mir selbst Frühstück mitzunehmen, anstatt mir in der Kantine ein Weckerl zu kaufen.

Zuallererst dachte ich an die, die einen Cheatday einlegen. "Die essen ja dann immer einen ganzen Tag KH. Da bin ich mit meinem Frühstück sowieso noch drin, das gilt nichtmal als cheaten."

Dann mehr wie "Ok, Cheatday ist es keiner mehr, aber es ist ja nur das Frühstück. Viele Ernährungsberater sagen, dass man nur am Abend die KH weglassen soll." (Was ich von solchen Beratern halte, habe ich hier komplett verdrängt...)

Und schlussendlich sah ich es als Selbstversuch. "Die Meisten sagen sowieso, dass sie LCHF nur eine Zeit lang machen wollen und dann ihren Körper langsam wieder an KH gewöhnen, um das Gewicht zu halten. Mal schauen, ob das funktioniert." Das es dennoch meine Gesundheit zerstört - verdrängt.

Das das - wohlgemerkt in meinen Augen - Schwachsinn ist wusste ich, aber dennoch war es eine Ausrede, um mich nicht noch schlechter zu fühlen, an die ich mich festklammerte.

Mit den Nebenwirkungen kamen weitere. Ich war immer so müde, dass ich mich nach der Arbeit direkt ins Bett legen musste.

Zu müde. Zu schwach.
Kochen? Morgen.
Wäsche waschen? Morgen.
...

Und so ganz nebenbei wurde ich wieder dicker und dicker.

Das Böse ist, dass ich wirklich - Hand aufs Herz - keine Kohlenhydrate essen wollte. Irgendwie wollte ich mich bestrafen. Woher kommt das?

Ich habe versagt.

Fazit meines Selbstversuchs: Kohlenhydrate waren immer schon böse, sind böse und werden auch immer böse bleiben. Sie haben in meiner Ernährung nichts verloren.

Meine wundervolle Tante hat mich gefragt, was ich an mir schön finde. 5 Dinge sollte ich finden.

Ich fand 2.
Nach langem überlegen. Nicht so prickelnd.

Ich habe gemerkt, dass es oft mehr braucht, als nur die Ernährung umzustellen. Es ist etwas, wie mit dem Rauchen - es ist Kopfsache. Hat es im Kopf "klick" gemacht, schafft man es - wenn nicht, dann nicht. Ist man mit sich selbst nicht im reinen, wird man immer wieder - vielleicht nicht morgen oder übermorgen, aber in ein paar Jahren - wieder zurück in diese alten Gewohnheiten fallen.

Nun habe ich einen langen Weg vor mir. Nicht nur, bedarf es einer neuen Ernährungsumstellung, sondern auch einer Generalsanierung meines Ichs.

Irgendwann schaff ich es dann!

/little MissBennet

Kommentare:

  1. Schön wieder etwas von Dir zu hören...auch wenn es leider nicht so gut klingt. Aber das schaffst Du!
    Und wenn nicht gleich alles klappt, auch nicht schlimm...Schritt für Schritt. Dass Du es erkannt und hier so offen aufgeschrieben hast, ist bereits der erste Schritt. Und der ist bekanntlich der Schwerste.
    Viel Erfolg beim Durchstarten!

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