Mittwoch, 9. Oktober 2013

Das größte Tief der Geschichte


Eigentlich wollte ich schon vor 2 Wochen einige Rezepte bloggen, aber mein Kopf war irgendwie immer wo anders und ich konnte mich nicht aufraffen etwas zu schreiben. Ich habe mich so unsicher gefühlt, dass einfach nichts mehr ging.

Ich habe mich in den vergangenen Monaten immer besser gefühlt. Ich habe den Fortschritt gesehen, den ich gemacht habe und war stolz und zufrieden. Durch den Stress in der Arbeit habe ich dann aber immer wieder mal gesündigt. Nicht oft, aber immer wieder. Was natürlich meinen Fortschritt zum stagnieren gebracht hat. Es ging nichts weiter.

Irgendwie hat mich das aber nicht sonderlich gestört, weil ich wusste, dass der Stress irgendwann nachlässt und ich mich wieder mehr in den Griff bekommen kann. Und solange ich nicht wieder zunehme, war das für mich ok. Immerhin ist es ja auch schon etwas, wenn man sein Gewicht halten kann. Für mich war auch immer klar, dass es weiter gehen wird und ich weiter kämpfen werde.

Dann kam das Fotoshooting mit meinen Freundinnen. Ich war zwar nicht richtig zufrieden mit meinem Aussehen, aber immerhin habe ich ja bereits einige Kilos verloren, also freute ich mich ja doch irgendwie auf die Fotos. Ein oder zwei gute werden schon dabei sein - habe ich gedacht.

Als die Fotos dann kamen und ich sie von meinen Freundinnen bekam, wurde ich gleich darauf angesprochen, dass es 2 ganz tolle Fotos von mir gab. Ich konnte es kaum erwarten sie zu sehen und hab wie wild die 84 Fotos durchgeschaut.

Wie viele Fotos waren ganz toll? - 0
Wie viele Fotos waren schön? - 0
Wie viele Fotos waren ok? - 1

Als sie mir dann zeigten, welche Fotos sie meinten, war ich geschockt. Das waren die 2 schrecklichsten. Mein dickes, rundes Gesicht war der Hauptact in beiden. Ich dachte nur, so dick bin ich doch garnicht mehr - Oder?

Meine Nerven lagen blank. Natürlich habe ich das nicht gezeigt. Stark sein; darüber stehen. Nur nicht zeigen, dass dir bewusst ist, dass du schrecklich aussiehst. Dies führt nur zu unangenehmen Diskussionen.

Doch es hat mich natürlich nicht in Ruhe gelassen. Bin ich wirklich noch so dick? Ich sehe mich nicht mehr so. Aber ich weiß auch, dass ich krank bin und mich falsch wahrnehme. Doch ich hatte gehofft, dass ich aus dem schon raus wäre...

Am späten Abend kam ich wieder mit zwei Freundinnen auf die Fotos zu sprechen und ich erklärte, dass ich sie ganz schrecklich fand. Sofort bekam ich als Antwort, dass ich doch spinne. Die zwei Fotos sind wirklich toll und ich sehe ganz natürlich und wie ich selbst aus.

BOOM BAM

Das war genau das, was ich nicht hören wollte. Ich schaue also wirklich so aus? Unfassbar! Schrecklich! Hässlich!

Natürlich merkten sie meine Enttäuschung und natürlich wurde eine Grundsatzdiskussion ausgelöst. "Du bist schön, du bist nicht dick. Mollig vielleicht, aber nicht dick. Aber das macht auch garnichts; du bist trotzdem sehr hübsch! Solange du dich wohl fühlst, ist alles Ok. Das ist das Wichtigste! Du musst dich wohlfühlen."

Tu ich aber nicht. Ich fühle mich nicht wohl und ich fühle mich nicht hübsch. Aber ist es nicht das, was Freundinnen einfach sagen (müssen)? Man will doch nur das Beste für seine Freunde und will sie aufheitern.

Letztens habe ich mir Biggest Loser Australien angesehen. In der ersten Episode haben sie alle Teilnehmer gefragt, wie die Fettleibigkeit ihr Leben beeinflusst hat. Jeder hat unter Tränen erklärt, wie schwer und erdrückend es ist - außer einer. Er ist mit 137kg auf der Waage gestanden und hat gemeint, dass sein Gewicht sein Leben nicht beeinflusst.

Bullshit haben die Trainer gerufen und ihn ermahnt doch ehrlich zu sein. Er blieb bei seiner Meinung und wurde gereizt. Es behindere ihn wirklich nicht. Er wolle zwar abnehmen, aber er fühle sich jetzt auch wohl. - Diese Meinung behielt er übrigens nur bis zum ersten Training bei, dann gab er zu, dass ihm nicht bewusst war, dass er sich selbst anlügt.

Im ersten Moment war ich wütend auf die Trainer. Wie können sie es wagen! Es ist doch gut, wenn er sich mit sich selbst wohl fühlt. Es gibt doch viele Dicke, die sich dennoch wohl fühlen. Facebook ist voll von "Das ist kein Fett, das ist erotische Nutzfläche" oder "Du bist schön, genauso wie du bist".

Dann kam ich auf mich zu denken. Ja, ich bin unglücklich mit meinem Gewicht und meinem Aussehen. Ja, mein Gewicht hindert mich in meinem Alltag. Ja, mein Gewicht hindert mich mein Leben genau so zu leben wie ich will. Klar, nicht immer und überall, aber immer wieder. Würde ich das nach außen hin zeigen? Natürlich nicht!

Lügen wir uns alle an, wenn wir uns als Übergewichtige wohl fühlen? Ja, das glaube ich.

Vorallem beeinflusst es auch meine Beziehung. Ich weiß, dass J mich liebt wie ich bin. Aber es macht ihn auch traurig, dass ich mich nicht wohl fühle. Ich will nicht, dass er meinen Bauch streichelt - ist ja alles nur Fett. Ich will mich nicht bücken, wenn er im Raum ist - da quillt das Fett noch mehr raus. Ich versuche immer, schon vor ihm im Bett zu sein - ich will nicht, dass er beim umziehen meinen Bauch und meine schwabbelnden Oberschenkel sieht.

Diese Dinge waren mir lange gar nicht bewusst. Es beeinflusst meine Beziehung und das ist wirklich das letzte was ich will.

Es hat mich sehr traurig gemacht, als mir das gestern bei einem Gespräch mit einer Freundin bewusst wurde. Ich muss mit mir zufrieden werden; darf mich nicht so negativ sehen, mein sie und hat vielleicht recht.

Aber da gibt es Hindernisse.

1. Hab ich keine Ahnung, wie man mit sich selbst zufrieden wird und
2. Bin ich mir nicht sicher, ob ich zufrieden sein möchte.

Es ist doch so, ich arbeite hart, um dort hinzukommen, wo ich hin möchte. Ich arbeite jeden Tag an mir. Arbeite an meinen Fehlern, meinen Ticks, meinen Süchten und meiner Faulheit. Wenn ich zufrieden bin, auf was arbeite ich dann hin? Noch zufriedener zu werden? Es gibt keine Steigerung für Zufriedenheit. Entweder man ist es oder eben nicht.

Momentan bin ich also in einem der größten Tiefs der Geschichte ;). Ich weiß, dass mein Weg weiter gehen wird und ich ich weiterhin abnehmen und FIT werden will. Aber wie sehr muss man mit sich selbst zufrieden sein; sich wohl fühlen? Und wenn, wie macht man das?

Bitte um eure Hilfe!

/little MissBennet

Kommentare:

  1. Hi,

    ich kenne das. Ich kenne auch so Typen wie den von "The Biggest Loser" und ich sage: In diesem Moment hat er die Wahrheit gesagt und ich glaube auch allen fetten Menschen (sorry für den Ausdruck, aber ich gehöre mehr als deutlich dazu und darf das sagen :p) die das von sich behaupten.
    Ich behaupte allerdings: Ihre Meinung wird sich ändern, sobald sie an Grenzen stoßen, die ihren täglichen Ablauf zwischen Einkaufen - Schreibtisch - Fernsehen - Bett unterbrechen und sie plötzlich was machen müssen, wozu sie nicht in der Lage sind. In dem Fall des Australiers war es Sport. Dort hat er erkannt: "Huch! Ich merke das mir das hier gut tut, aber ich kann nicht".

    Bevor ich weiterschreibe, kommt der total offensichtliche Rat: Wenn du glaubst, dass du ein ernsthaftes Problem mit deinem Selbstbewusstsein hast und glaubst es könnte in eine Depression rutschen (oder sonst was ungutes): Gehe zu einem Profi und befrage ihn (oder sie).

    Ansonsten habe ich Tipps, die mir auch helfen: 1) Erinnere dich daran wer du bist.Du bist keine Hülle, sondern du bist du und hast eine Hülle. Deine Freunde mögen dich nicht wegen deines Körpers, sondern wegen deiner Verlässlichkeit, deiner Fröhlichkeit, deinen Fähigkeiten im Schach und so weiter und so weiter. Schreibe dir eine Liste. Schreibe deine Stärken darauf.

    2) Du musst dich nicht mit allem zufrieden geben und es muss dir nicht gefallen. Wenn du weißt, dass sich die Lage ändern wird, dann fällt es dir leichter die jetzige Lage zu akzeptieren. Akzeptanz heißt mit der Lage zu leben. Es heißt nicht schlecht oder gut. (Jaaaaanz wichtig)

    Zu deinen Hindernissen:
    1. Na und? Ich glaube das wissen nur die wenigsten. Und die meisten davon sind Buddhisten.
    2. Kannst du dir vorstellen durch deine Taten zufrieden zu sein? Stelle dir nur mal vor du eignest dir gute Angewohnheiten an. Kannst du dir vorstellen durch diese Taten Akzeptanz zu erhalten? "Wenn ich zufrieden bin, auf was arbeite ich dann hin?" Formuliere doch die Frage anders: "Was kann ich tun um dauerhaft zufrieden zu bleiben?"

    Zum Schluss stelle dir selbst die Frage: Wie möchte ich leben und mit welchen Leben kann ich zufrieden sein und was muss ich dafür tun um das zufriedenstellende Leben zu erreichen und zu behalten?

    ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen :)

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  2. Haben alle wohl schon unzählige Male gehört, aber: Das Problem ist regelmässig im Kopf. Wirklich. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper holt einen immer wieder ein, selbst wenn man sich eine Weile lang wohl gefühlt hat und glaubt, das überwunden zu haben, weil man ja nun dünn genug ist. Dann fallen einem halt andere Dinge auf, die einen stören.

    Was viele stört am "Zufrieden sein", ist wohl auch, dass es impliziert, dass man nichts an sich zu ändern bestrebt ist. Ich finde, das muss es nicht. Man kann auch mit sich zufrieden sein, weil man sich als Mensch annimmt, der sein Bestes gibt, das er im Moment in der Lage ist zu geben, sich immer wieder Mühe gibt, auch wenn's mal nicht geklappt hat, etc. Und trotzdem bestrebt sein, sich zu "verbessern" - in welche Richtung auch immer.

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